Regionale Birnensorten

124

 

125 Sommerblutbirne

Weitere Bezeichnungen: Sanguinole, Blutbirne (verkürzt, Name mehrdeutig).

ALLGEMEINES

Die Sommer-Blutbirne ist die bekannteste rotfleischige Birne. Sie entstand in Frankreich, wo sie schon 1675 verbreitet war. Obwohl noch in vielen Orten im Landkreis der Name „Blut­birne“ bekannt ist, konnte die Sorte aktuell nicht mehr aufgefunden werden. In Mittelfranken sind noch Bäume aus der Gegend um Rothenburg und Bad Windsheim bekannt.

 

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß, kreiselförmig bis rundlich.

Schale
blassgrün, später gelblich mit durchscheinenden blassroten Flecken.

Fleisch
weiß und blassrot marmoriert, um das Kernhaus intensiver gerötet, Geschmack süß, rosenartig.

REIFE

Mitte bis Ende August.

VERWENDUNG

frühe Tafelbirne zum Frischessen.

BAUM

mittelgroß, fruchtbar, mit hängenden Ästen.

HERKUNFT DES BAUMES

unbekannt.

126 Große Schöne Jungfernbirne

Früherer Name: AT Grüne Saftbirne (Trendel) bzw. AT Jungfernbirne.
Weitere Bezeichnungen: Schöne Jungfernbirne, La Belle Demoiselle, Gros certeau d’été, Große Sommerhonigbirne; Sommerhonigbirne, Glasbirne.

ALLGEMEINES

Die Sorte wurde mehrfach im südwestlichen Mittelfranken gefunden. Der entscheidende Hinweis zur Bestimmung stammt aus Obermögersheim, wo die Birne noch unter dem althergebrachten Namen Jungfernbirne bekannt war. Durch Literaturvergleich konnte die bisher völlig verschollene Sorte identifiziert werden. In den Landkreisen Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen konnten neun teils sehr alte, riesige Bäume dieser Sorte gefunden werden. Auch bei Coburg konnte ein Altbaum der Jungfernbirne identifiziert werden. Ihre Herkunft ist unklar, aber sie stammt vermutlich wie viele Birnensorten aus Frankreich. Schon vor 1800 war sie jedoch in Deutschland verbreitet worden.

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, bauchig birnförmig, öfters auch kegel- bis eiförmig, Hälften meist ungleich; Grundfarbe gelbliches Grün, später gelbgrün, sonnenseits mit braunrötlicher Farbe angeflogen; Stiel am Ansatz fleischig oder durch Fleischbutz zur Seite gedrückt; Kelch oft mit Rostspuren, öfters auch Rostfiguren auf der Schale; ohne Geruch.

Fleisch
schneeweiß, vollsaftig, rauschend, süß weinsäuerlich müskiert.

REIFE

Ende August bis Anfang September, muss vorreif gebrochen werden,

VERWENDUNG

Tafelbirne zweiten Ranges, aber vor allem Wirtschaftsbirne, besonders auch zum Dörren.

BAUM

wird sehr groß und stark mit viel hängendem Holz, wird aber spät fruchtbar, dann jedoch mit regelmäßigem hohem Ertrag.

HERKUNFT DES BAUMES

Trendel (105) bzw. Obermögersheim (135)

127 Weiße Herbstbutterbirne

Weitere Bezeichnungen: Franzbirne, Börlegris, Winterbörlegris, Birnblansch (in Franken), Beurré blanc.

ALLGEMEINES

Die uralte Sorte stammt aus Frankreich. Sie war bereits um 1860 in Franken überall bekannt und geschätzt. 1804 wurde sie für Weimersheim als „Planckbirne“ genannt. Auf manchen Standorten war die Fruchtqualität der anspruchsvollen Sorte jedoch unzureichend. Schon im 19. Jahrhundert wurde sie deshalb durch Diels Butterbirne ersetzt. In Franken ist derzeit nur ein Altbaum in einem Hausgarten in Markt Berolzheim bekannt.

FRUCHT

Gestalt
konisch abgestumpft, veränderlich

Schale
fein, glänzend, hellgrün, später zitronengelb mit zahlreichen Schalenpunkten, manchmal schorfig.

Fleisch
weiß und saftreich, butterhaft schmelzend, Geschmack eigentümlich gewürzt.

REIFE

Oktober, leicht vorreif zu ernten, dann etwa 3 Wochen haltbar.

VERWENDUNG

Köstliche Tafelfrucht, vorzüglich auch zum Dörren.

BAUM

wächst lebhaft und wird mittelgroß, gedeiht in fast jeder Lage; Ertrag und Fruchtqualität etwas unberechenbar; an manchen Standorten schorfig.

HERKUNFT DES BAUMES

Markt Berolzheim.

128 Frühe Dörrbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet.

Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

129 Lange Grüne Wasserbirne

Arbeitsname: Lange Grüne Wasserbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet. Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

Lokalname: Wasserbirne (in verschiedenen Dörfern des Altmühltals)

 

 

ALLGEMEINES

Von dieser Sorte sind im mittleren Altmühltal noch einige Vorkommen bekannt. Altbäume stehen z. B. in Bubenheim, Gundelshalm, Gundelsheim a. d. Altmühl und vor allem in Wachstein. Die saftreiche Birne gehört zur Gruppe der "Grünen Langbirnen". Diese heißen auf Französich "Verté longue", woraus in freier fränkischer Übersetzung "Werdelang" wurde, so etwa in einer Weimersheimer Chronik von 1804. Der korrekte pomologische Sortenname konnte bisher nicht ermittelt werden.

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, birnförmig.

Schale
glatt, erst grün, später zitronengelb, ohne Deckfarbe.

Fleisch
angenehm süßsäuerlich, saftig.

REIFE

Mitte August bis Anfang September.

VERWENDUNG

Mostbirne, früher wohl auch Tafelbrirne.

BAUM

stark wachsend, sehr alt werdend.

HERKUNFT DES BAUMES

Gundelshalm

130 Trumbirne

Früherer Name: AT Grüne Plumpbirne (Polsingen) bzw. AT Kugelbirne (Ettenstatt).
Weitere Bezeichnungen: Drummbirne, Trummbirne.

ALLGEMEINES

Die Trumbirne ist eine sehr alte Sorte ungewisser Herkunft. Sie wurde bereits 1814 erwähnt und ist höchst wahrscheinlich eine der wenigen fränkischen Lokalsorten. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt im westlichen und südwestlichen Franken. Im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen sind noch ## Altbäume bekannt. Seit vielen Generationen wurde die Sorte jedoch nicht mehr empfohlen und vermehrt.

 

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß, stumpf kegelförmig bis eiförmig-rundlich; Schale gelb mit leuchtender orangerot verwaschener Deckfarbe, zahlreiche Schalenpunkte

Fleisch
gelblichweiß, grobzellig, saftig, Geschmack süßsäuerlich, leicht adstringierend

REIFE

Mitte bis Ende August, ca. zwei Wochen haltbar

VERWENDUNG

sehr gute Mostbirne, auch Einmach- und Dörrbirne

BAUM

bildet sehr starke langlebige, gesunde Bäume mit auffällig dicken Langtrieben

HERKUNFT DES BAUMES

Ettenstatt (074) bzw. Polsingen (095).

131 Weiße Herbstbutterbirne

Weitere Bezeichnungen: Franzbirne, Börlegris, Winterbörlegris, Birnblansch (in Franken), Beurré blanc.

ALLGEMEINES

Die uralte Sorte stammt aus Frankreich. Sie war bereits um 1860 in Franken überall bekannt und geschätzt. 1804 wurde sie für Weimersheim als „Planckbirne“ genannt. Auf manchen Standorten war die Fruchtqualität der anspruchsvollen Sorte jedoch unzureichend. Schon im 19. Jahrhundert wurde sie deshalb durch Diels Butterbirne ersetzt. In Franken ist derzeit nur ein Altbaum in einem Hausgarten in Markt Berolzheim bekannt.

FRUCHT

Gestalt
konisch abgestumpft, veränderlich

Schale
fein, glänzend, hellgrün, später zitronengelb mit zahlreichen Schalenpunkten, manchmal schorfig.

Fleisch
weiß und saftreich, butterhaft schmelzend, Geschmack eigentümlich gewürzt.

REIFE

Oktober, leicht vorreif zu ernten, dann etwa 3 Wochen haltbar.

VERWENDUNG

Köstliche Tafelfrucht, vorzüglich auch zum Dörren.

BAUM

wächst lebhaft und wird mittelgroß, gedeiht in fast jeder Lage; Ertrag und Fruchtqualität etwas unberechenbar; an manchen Standorten schorfig.

HERKUNFT DES BAUMES

Markt Berolzheim.

132 Metzer Bratbirne

Weitere Bezeichnungen: Carisi, Carisi blanc, Carisier (in Frankreich), Spitzbirne, Brunnenbirne (Österreich).

ALLGEMEINES

Die Metzer Bratbirne ist eine vorzügliche Mostbirne mit hohem Zuckergehalt. Der Zufallssämling stammt aus der Gegend von Metz in Lothringen. In den Pomologischen Monatsheften wurde die Sorte 1883 erstmals beschrieben. Früher war sie stark in der Normandie, aber auch in Württemberg und in Österreich verbreitet. Heute ist sie ziemlich selten. Bei einer Umfrage in Bayern wurde sie nur aus fünf Landkreisen gemeldet. Der Herkunftsbaum ist derzeit der einzige bekannte Altbaum in Franken.

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, ei- bis breit birnförmig, gegen den Stiel stets etwas eingezogen; die Schale ist rauh, graugrün, zur Reife gelb, meistens stark zimtbraun berostet, jahrweise variiert die Berostung jedoch; Stiel ziemlich lang und stark, etwas gebogen.

Fleisch
gelblichweiß, festfleischig, grobkörnig, sehr saftreich und herbsüß mit hohem Gerbstoffgehalt.

REIFE

Mitte Oktober, die Früchte fallen sukzessive und halten vier Wochen

VERWENDUNG

Mostbirne, speziell für Cider.

BAUM

wächst anfangs stark und wird im Alter groß, bildet schöne Kronen, etwas sparrig und im Alter hochgewölbt; frühe, nicht empfindliche Blüte; bald und reich tragend; verlangt eher trockenen Boden, freie Lage und nicht zu kaltes Klima; wenig anfällig für Feuerbrand.

HERKUNFT DES BAUMES

Wolfsmühle bei Hundsdorf.

133 Deutsche Nationalbergamotte

Weitere Bezeichnungen: Schöne und Gute, Belle et Bonne (Name mehrdeutig). Birne ohne Kerne, Siedenburger Butterbirne, Bergamotte d’Angleterre.

ALLGEMEINES

Die Sorte wurde bereits 1809 von Pfarrer Christ als „teutsche National-Bergamott“ beschrieben. Er bemerkt, die Sorte sei „aus einem, Kern entstanden“, aber über ihre genaue Herkunft findet sich bei ihm und auch später kein Hinweis. Im 19. Jahrhundert war sie in Bayern sehr verbreitet. Bei einer Ausstellung in München 1879 war sie als eine der häufigsten Birnensorten in den Sortimenten von 47 Ausstellern vorhanden.

Die relativ großfrüchtige Bergamotte ist heute sehr selten. Im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen ist nur noch ein alter Straßenbaum bei Reuth unter Neuhaus bekannt, nachdem ein weiterer Altbaum in Trendel 2009, kurz nach seiner Entdeckung, beseitigt wurde.

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß bis groß, bergamottenförmig, meist zu Stiel stumpfkreisel- förmig, selten käseförmig plattgedrückt; Stiel stark, ca. 35 mm lang, am Grund meist deutlich verdickt, manchmal mit Fleischnase; Kernhaus oft klein und unscheinbar mit sehr wenigen Samen; Schale glatt, grüngelb, später helles Zitronengelb, selten Anflug von erdartiger Röte; nur selten berostet, aber mit feinen Schalenpunkten.

Fleisch
weiß, saftvoll, fast butterhaft schmelzend, von zuckerartigem Geschmack nach Bergamotten.

REIFE

Mitte September bis Anfang Oktober, etwa vier Wochen haltbar (muss zum genau richtigen Zeit verbraucht werden, sonst mehlig)

VERWENDUNG

Tafelbirne

BAUM

mittelstark wachsend, Krone ausladend kugelförmig; braucht kräftigen, feuchten Boden, frostempfindlich; Blätter dicklich, zugespitzt, sehr lang mit langem Blattstiel.

HERKUNFT DES BAUMES

Reuth unter Neuhaus.

134 Englische Sommerbutterbirne

Weitere Bezeichnungen: Englische Butterbirne, Mandelbirne, Je länger je lieber, Beurré d’Angleterre, Beurré Amandé, Poire d’Amande.

ALLGEMEINES

Die Englische Sommerbutterbirne wurde bereits 1801 in der Würzburger „Pomona franconica“ abgebildet und auch der hessische Pomologe Diel beschreibt die Sorte kurz danach unter drei verschiedenen Namen. Vielleicht stammt sie wirklich aus England, doch ihr erster bekannter Name „Beurré d’Angleterre“ ist französisch und in alten englischen Katalogen fehlt die Sorte. Im 19. Jahrhundert wurde sie sehr oft empfohlen und sie war in mehreren Ländern Europas verbreitet.

In der historischen Literatur des 19. Jahrhunderts wurde die Sorte als identisch mit dem Lammerwäsele, einer westmittelfränkischen Lokalsorte, betrachtet. Nachdem auch diese Sorte noch heute im Gebiet Bad Windsheim-Uffenheim noch existiert, ist diese Gleichsetzung definitiv falsch.

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß, schlank birnförmig, 7-8 cm lang und 5-6 cm breit; um den Kelch halbkugelförmig abgerundet; Stiel 2-3 cm lang, gleichmäßig in die Frucht übergehend; Kelch steif, offen, hervorstehend, oft fehlend; Schale gelblich hellgrün, später hellgelb mit charakteristischen feinen Schalenpunkten; Berostung selten; geruchlos, kaum welkend.

Fleisch
weiß, fein, überfließend vor Saft, butterhaft schmelzend, mit ausgezeichnetem rosen- oder zuckerartigem Geschmack.

REIFE

Mitte bis Ende August, vor der Reife zu ernten, da sonst zu schnell teig, hält sich dann etwa 14 Tage.

VERWENDUNG

Tafelbirne

BAUM

wächst auf Wildling-Hochstämmen kräftig und stark mit hochgewölbter Krone, wird allerdings nur mittelgroß, erfordert warmen und etwas feuchten Boden.

HERKUNFT DES BAUMES

Obermögersheim.

135 Feuchtwanger Butterbirne

Weitere Bezeichnungen: Feuchtwanger Winterbirne.

ALLGEMEINES

Die Sorte entstand in Feuchtwangen. Vor dem dortigen Krankenhaus stand noch vor wenigen Jahrzehnten der Urbaum. Durch die Baumschule Triesdorf wurde die Sorte seit 1930 stark verbreitet. Als robuste Streuobstsorte wird die Sorte seit langem gerne gepflanzt.

 

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß bis groß, stumpfkreisel- bis birnenförmig.

Schale
rau, grünlichgelb und ohne Deckfarbe, glatt mit auffälligen grünen Schalenpunkten, um Kelch und Stiel bronzefarbig berostet.

Fleisch
gelblichweiß, saftig, butterhaft schmelzend.

REIFE

Ende Oktober, haltbar bis Mitte Dezember.

VERWENDUNG

Tafelbirne (keine Winterbirne, nur kurze Zeit haltbar).

BAUM

verlangt guten Boden, mittelstark wachsend, robuste Sorte.

HERKUNFT DES BAUMES

Buchleite oberhalb von Markt Berolzheim.

136 Russelet aus Reims

Weitere Bezeichnungen: AT Zuckerbirne (Ottmarsfeld).

ALLGEMEINES

Die „Rousselet de Rheims“ ist für die Franzosen eine Nationalfrucht. Sie spielt damit eine ähnliche Rolle als wie für die Deutschen früher der Edelborsdorfer. Die „Franzosenbirn“, wie sie früher oft genannt wurde, beschrieb bereits 1779 der Würzburger Hofgärtner Mayer in seiner „Pomona franconica“. In Frankreich war die Sorte jedoch mindestens seit 1675 bekannt. Auch in Deutschland war sie früher verbreitet, so auch als „Zuckerbirne“. Doch bis vor kurzem galt sie als verschollen. Der Altbaum, von dem diese Sorte stammt, wurde ca. 2016 abgesägt.

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, birn- bis kegelförmig; Schale glatt, mit hellgrüner, später hellgelber Grundfarbe, oft zur Hälfte oder mehr dunkelbräunlich gerötet; mit vielen Schalenpunkten.

Fleisch
mattweiß, etwas körnig, wenig saftig, deutlich riechend, von eigenartigem, gewürzhaftem Geschmack.

REIFE

Mitte September, etwa 14 Tage haltbar.

VERWENDUNG

Tafelbirne, hervorragend auch als Dörrfrucht sowie für die Küche.

BAUM

breitkronig, groß und alt werdend; bevorzugt mildes Klima.

HERKUNFT DES BAUMES

Ottmarsfeld.

137 Storchschnabelbirne

Arbeitsname: Storchschnabelbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet. Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

ALLGEMEINES

Bäume dieser Sorte wurden bisher nur bei Emetzheim sowie bei dem benachbarten Holzingen gefunden. Der Name geht auf den Holzinger Obstexperten Hegner zurück. Die pomologisch unklare Bezeichnung "Storchschnabelbirne" nimmt auf den schlanken Stielbereich Bezug. Eine historische Sorte konnte bisher nicht zugeordnet werden.

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, birnförmig, mittelbauchig, am Stiel abgestumpft.

Schale
glatt, gelb, mit vielen Schalenpunkten.

Fleisch
fest, suß, etwas aromatisch.

REIFE

Ende August bis Anfang September.

VERWENDUNG

früher wohl Tafelbirne und zum Dörren, heute zum Brennen.

BAUM

mittelgroß.

HERKUNFT DES BAUMES

Holzingen.

138 Sußbirne

Weitere Bezeichnungen: Bocksbirne (üblicher Name im Landkreis), Sousbirn (Emetzheim), Knäckerle (um Windsheim).

ALLGEMEINES

Unter den vergleichsweise wenigen echten Lokalsorten ragt die Sußbirne als mehrere Jahr­hunderte alte „fränkische Nationalfrucht“ heraus. Die Nachrichten über die „edle Holzbirne“ sind spärlich, da sie meist von den Landleuten selbst vermehrt wurde. Nur in einem Katalog einer Cadolzburger Baumschule von 1852 wird sie als „Wahre kleine Sußbirne“ angeboten. Es gibt riesige Bäume der Sußbirne, die 300 Jahre alt sein sollen. Im Landkreis existieren noch etliche Altbäume, die allesamt schon ein Alter von mindestens 100 Jahren haben.

FRUCHT

Gestalt
klein, breit-rundlich, mit langem Stiel.

Schale
fein rau, grüngelb, später zitronengelb, zahlreiche Schalenpunkte, am Stiel berostet.

Fleisch
gelblichweiß, körnig, herbsüß, etwas bocksartig.

REIFE

Oktober, etwa vier Wochen haltbar.

VERWENDUNG

früher Koch- und Dörrbirne, heute als Most- und hervorragende Brennbirne.

BAUM

sehr stark wachsend, eichenartige Bäume bildend.

HERKUNFT DES BAUMES

Weimersheim.

139

 

140 Haberbirne

Arbeitsname: Haberbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet. Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

Lokalname: Haberbirne (in verschiedenen Dörfern des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen)

 

ALLGEMEINES

Früher war die Haberbirne die am meisten verbreitete Frühbirne im Landkreis. Erstmals erwähnt wurde sie in einerk Sortenempfehlung des Gnotzheimers Leonhard Koch aus dem Jahr 1855. Sonst kommt diese Sorte in der pomologischen Literatur nicht vor. Ein Baum der Haberbirne bei Memmingen zeigt jedoch, dass es sich nicht um eine Lokalsorte handeln kann. Markante Altbäume stehen noch in Weimersheim, Alesheim, Kehl, Neufang bei Treuchtlingen, Gräfensteinberg, Trendel und bis vor einigen Jahren auch in Emetzheim und bei Gundelsheim a. d. Altmühl.

FRUCHT

Gestalt
klein, flachkugelig.

Schale
grünlichgelb, Sonnenseite mit schwacher, braunroter Deckfarbe.

Fleisch
Geschmack süßlich, wenig Aroma.

REIFE

Anfang August.

VERWENDUNG

Tafelobst zum Frischessen, auch zum Dörren.

BAUM

wächst mittelstark, bildet eine kugelige Krone aus.

HERKUNFT DES BAUMES

Gundelsheim, Kehl oder Weimersheim

141 Sophienhöhe-Honigbirne

Arbeitsname: Sophienhöhe-Honigbirne

Früherer Name: AT Honigbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet. Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

 

 

ALLGEMEINES

Ein kleiner bis mittelgroßer Baum steht an der Sophienhöhe westlich von Weimersheim. Der verstorbene Sortenkenner Paul Hemmeter aus Weimersheim benannte die Birne mit dem Allerweltsnamen "Honigbirne", der in der Pomologie als Doppelname für zahlreiche Sorten bekannt ist. Der einzige Altbaum dieser Art konnte bisher pomologisch nicht identifiziert werden.

FRUCHT

Gestalt
klein, rundlich bis kreiselförmig.

Schale
grünlichgelb, ohne Deckfarbe, mit zahlreichen grünen Schalenpunkten.

Fleisch
sehr saftig, süß, etwas gerbstoffhaltig.

REIFE

Ende September.

VERWENDUNG

Tafelbirne, vermutlich auch gute Brennbirne.

BAUM

klein bis mittelgroß.

HERKUNFT DES BAUMES

Sophienhöhe Weimersheim

142 Trumbirne

Früherer Name: AT Grüne Plumpbirne (Polsingen) bzw. AT Kugelbirne (Ettenstatt).
Weitere Bezeichnungen: Drummbirne, Trummbirne.

ALLGEMEINES

Die Trumbirne ist eine sehr alte Sorte ungewisser Herkunft. Sie wurde bereits 1814 erwähnt und ist höchst wahrscheinlich eine der wenigen fränkischen Lokalsorten. Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung liegt im westlichen und südwestlichen Franken. Im Landkreis Weißenburg- Gunzenhausen sind noch ## Altbäume bekannt. Seit vielen Generationen wurde die Sorte jedoch nicht mehr empfohlen und vermehrt.

 

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß, stumpf kegelförmig bis eiförmig-rundlich; Schale gelb mit leuchtender orangerot verwaschener Deckfarbe, zahlreiche Schalenpunkte

Fleisch
gelblichweiß, grobzellig, saftig, Geschmack süßsäuerlich, leicht adstringierend

REIFE

Mitte bis Ende August, ca. zwei Wochen haltbar

VERWENDUNG

sehr gute Mostbirne, auch Einmach- und Dörrbirne

BAUM

bildet sehr starke langlebige, gesunde Bäume mit auffällig dicken Langtrieben

HERKUNFT DES BAUMES

Ettenstatt (074) bzw. Polsingen (095).

143 Promms Muskatellerbirne

Arbeitsname: Muskatellerbirne

Bei diesen Sorten handelt es sich um einen vorläugen Arbeitsnamen, der meist den Herkunftsort und eine einfache Sortenbeschreibung beinhaltet. Diese Sorten sind noch nicht eindeutig bestimmt.

Lokalname: Muskatellerbirne (in Wachstein)

 

ALLGEMEINES

Von der Sorte sind im Landkreis drei Altbäume in Wachstein und bei Bubenheim bekannt. Aus Wachstein stammt der Name "Muskatellerbirne", der eigentlich eine ganze Sortengruppe von Birnen bezeichnet. Auch aus Unterfranken ist die Sorte bekannt. Ein pomologischer Name konnte bisher noch nicht zugeordnet werden.

 

FRUCHT

Gestalt
klein bis mittelgroß, kreiselförmig.

Schale
grünlichgelb bis gelb, Sonnenseite rot, verwaschen.

Fleisch
weiß, süß, von aromatischem Muskatellergeschmack, fast schmelzend.

REIFE

Anfang bis Mitte August.

VERWENDUNG

früh reifende, wohlschmeckende Tafelbirne

BAUM

mittelgroß, steil hochgehende Hauptäste.

HERKUNFT DES BAUMES

Bubenheimer Berg

144 Rötelbirne

Lokalname: Rötelbirne (Polsingen-Trendel).

ALLGEMEINES

Die Sorte mit dem treffenden Lokalnamen konnte bisher nur im südwestlichen Landkreis am Riesrand aufgefunden werden. In Polsingen und Trendel sowie in Steinbühl und Wemding (Landkreis Donauwörth) wurde je ein Baum gefunden. Dort scheint die Sorte früher verbreitet gewesen zu sein, anderswo im Landkreis wurde sie nie gefunden. Pomologisch konnte die Sorte noch nicht identifiziert werden.

 

FRUCHT

Gestalt
mittelgroß, lang kreiselförmig, oben schwach eingeschnürt, auffällig mittelbauchig.

Schale
gelb, in der Reife sattgelb, sonnenseitig kräftig dunkelrot (Name).

Fleisch
weiß, saftig.

REIFE

Mitte bis Ende August, wird schnell teigig.

VERWENDUNG

Tafelbirne.

BAUM

mittelgroß bis groß.

HERKUNFT DES BAUMES

Trendel.